Pferde haben genau wie wir eine Körpersprache. Diese können wir uns zu nutze mache, um unser Pferd besser zu verstehen und es „lesen“ zu lernen.

Erinnert ihr euch noch, wann ihr zum ersten mal die Körpersprache eines Pferdes interpretiert habt?

Ich erinnere mich noch an meine erste Reitstunde. In dieser wurden mir zwei Dinge gesagt. Zum einen, wenn Pferde die Ohren anlegen muss man aufpassen, sie könnten nach einem Schnappen und man darf nie von hinten an ein Pferd herantreten, da es dann austritt.

Tatsächlich ist die Körpersprache der Pferde viel ausgeprägter; solange wir uns jedoch dessen nicht bewusst sind, auf was wir achten müssen, wird es uns natürlich nicht auffallen.

Wenn man aber weiß, worauf wir achten müssen, kann man gar nicht mehr aufhören mit dem „interpretieren“. Zumindest ging es mir so.

Die Körpersprache ist für Pferde Überlebenswichtig. Pferde sind darauf „programmiert“ zu interpretieren und genau deshalb ist es so wichtig, dass wir ihre Körpersprache lesen können. Sie drücken dadurch ihre Absichten, Emotionen und Einstellungen zu bestimmten Situationen aus.

Je besser wir unsere Pferde lesen können und kleinste Veränderungen im Ausdruck unserer Pferde, in ihrer Körperhaltung oder ihrer Muskelspannung zu erkennen, desto besser können wir gefährliche Situationen einschätzen und ein in Panik geratenes Pferd (das durchbrennt, scheut, bockt, uns überrennt, schlägt, etc.) frühzeitig der Situation entziehen und diese damit entschärfen oder es gar nicht erst dazu kommen lassen.

Wir merken anhand der Körpersprache auch ob sich unser Pferd langweilt. Wir können so mental, emotional und physisch auf unser Pferd eingehen und es stärken.

Wenn ihr das alles unter einen Hut bekommt, seid ihr auf dem Weg ein richtig guter Horeman /-woman zu werden.

Wenn wir damit anfangen unsere Pferde zu lesen, hilft es systematisch vor zu gehen und mit dem Kopf zu beginnen und sich dann dem Rest zu widmen.

Ein kleiner Überblick um Positive (Entspannung, Vertrauen und Verständnis) und Negative (Verspannung, Stress und Verwirrung) Anzeichen zu erkennen:

Der Kopf im allgemeinen:
PositivNegativ
Natürliche Haltung,
nicht zu hoch,
nicht zu tief,
weiche flüssige Bewegungen, tendenziell zu dir ausgerichtet


Hoch aufgerichtet (Adrenalin, Alarm); extrem tief (als ob sich das Pferd verstecken möchte); nach aussen gedreht, Ohren seitlich (Kampfhaltung); von dir angewendet (unaufmerksam, Ängstlich , abwehrend); extremes Schütteln oder Schlagen
Die Ohren:
PositivNegativ
Bewegen sich entspannt von vorne nach hinten
ein Ohr kann nach vorne zeigen und das andere nach hinten
beide nach vorne oder beide auch leicht nach hinten (wenn du
z.B.: hinter dem stehst)
steif nach vorn gerichtet (Angst)
beide nach hinten an den Kopf Angelegt *
schnelles Wechseln von vorne nach hinten

* in der Freiarbeit haben die Pferde oft beide ihren nach hinten, dass ist in den meiste Fällen ein Zeichen von Konzentration und nicht von Aggression
Die Augen:
PositivNegativ
Ruhig
blinzelnd
präsent
beobachtend

Angespannte, enge Nüstern, unregelmäßige Atmung (Atmung angehalten, zu schnelles Atmen, schnauben); eine Art Schnarchgeräusch beim Einatmen bzw. Prusten beim ausatmen
Die Kaumuskeln:
PositivNegativ
entspannt
weich
Angespannt
geöffnetes Maul
mit den Zähnen knirschen
Die Lippen und das Maul:
PositivNegativ
weich
gleichmäßig
trocken bis leicht feucht
hängende Unterlippe


Zusammengepresste Lippen
Zähne zeigen
Oberlippe presst sich über Unterlippe
einseitiges öffnen
Schäumen
sabbern
Die Nase:
PositivNegativ
Weiche, entspannte Nüstern, gleichmäßige ruhige Atmung.



Angespannte, enge Nüstern, unregelmäßige Atmung (Atmung angehalten, zu schnelles Atmen, schnauben); eine Art Schnarchgeräusch beim Einatmen bzw. Prusten beim ausatmen
Die Zunge:
PositivNegativ
Entspannt im Maul
oder
entspanntes Lecken der Lippen

Ruhelos
nach hinten geklemmt
hängt seitlich aus dem Maul
(meistens um Druck der Trense zu entkommen)
Das Genick:
PositivNegativ
Weich nach vorne gerichtet
leicht gebogen
entspannt
Kurz und verspannt
zu Stark ge- oder verbogen
hart angespannt
Die Schulter:
PositivNegativ
Gerade ausgerichtet oder
leicht vor dir weichend entspannt
Gegen dich drückend
angespannt
Vorderbeine:
PositivNegativ
Gerade unter den Schultern,
flüssige und rhythmische Bewegungen, locker
Verspannt, keine Vorwärtsbewegung
Der Rücken:
PositivNegativ
weich
entspannt gestreckt
Verspannte Muskeln
hohler Rücken
Der Bauch:
PositivNegativ
Entspannt, bewegt sich beim Atmen regelmäßig
Angespannt
angezogen
unregelmäßige Atmung
Die Hinterbeine:
PositivNegativ
Gerade unter dem Rumpf
ein Bein entspannt angezogen
weiche flüßige Bewegungen


zu stark unter den Rumpf gezogen, zu stark nach hinten geschoben
blockiert
ein Fuß zum Ausschlagen angezogen (angespannt, besorgt)
angespannte Muskeln
Der Schweif:
PositivNegativ
Entspanntes „Wedeln“
z.B. um Fliegen zu vertreiben
Angespannt
eingeklemmt
aufgerichtet
aggressiv Schlagen

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Beobachten und hoffe, dass ihr mit den Wichtigsten von mir aufgeführten Anzeichen einen kleine Einstieg habt.